Bippen, eine Gemeinde im Osnabrücker Land,
blickt auf eine über 900-jährige Geschichte zurück und ist stark durch sächsische Siedlungen sowie die Christianisierung im 8. Jahrhundert geprägt. Die Region ist ein bedeutender historischer und archäologischer Fundort. [12345]
Besondere historische Eckpunkte:
  • Erste Erwähnung: Der Ort entstand zwischen 600 und 700 n. Chr. als sächsische Hofansiedlung. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Bippen im 11. Jahrhundert (1081–1107) in einem Register des Klosters Corvey als „bipehem“. [12]
  • Archäologische Funde: Im Ortsteil Dalum wurden prähistorische Funde der Trichterbecherkultur gemacht, darunter ein seltener Ösenhalsring, eine Kupferaxt und das Großsteingrab Dalum. [1]
  • Historische Kirche: Die evangelische Kirche, deren ältester Teil aus dem 11. Jahrhundert stammt, ist eine der ältesten Kirchen im Osnabrücker Nordland und wurde aus Findlingen auf einer Halbinsel errichtet. [12]
  • Politische Zugehörigkeit: Bis 1400 gehörte Bippen zur Grafschaft Tecklenburg und fiel nach deren Niederlage an das Bistum Osnabrück. Nach der napoleonischen Zeit und dem Wiener Kongress gelangte der Ort an das Königreich Hannover und wurde 1866 preußisch. [1]
  • Straße der Megalithkultur: Aufgrund der vorgeschichtlichen Grabanlagen ist die Gemeinde eine wichtige Station auf der touristischen Straße der Megalithkultur. [12]

Die Sültemühle/Ölmühle

Wo Wasserkraft Geschichte schrieb

 

Ein technisches Kulturdenkmal der Gemeinde Bippen

 

Die historische Sültemühle, auch als Ölmühle Lonnerbecke bekannt, liegt im Ortsteil Lonnerbecke der Gemeinde Bippen am Rande des Waldgebiets Maiburg. Umgeben von Wäldern, Wiesen und dem Sültebach zählt sie zu den bedeutendsten technischen Kulturdenkmälern des Bippener Landes. Die Geschichte der Mühle reicht bis ins Jahr 1555 zurück. Sie gehörte zum historischen Sültehof und war Teil einer außergewöhnlichen Mühlenkette. Zu dieser Anlage gehörten eine Kornmühle, eine Beutelmühle sowie eine Walkmühle, die später zu einem Sägewerk umgebaut wurde. Jede dieser Mühlen erfüllte eine besondere Aufgabe und trug über Jahrhunderte zur wirtschaftlichen Entwicklung der Gemeinde Bippen und ihrer Umgebung bei. Die natürlichen Voraussetzungen für diesen Mühlenstandort waren außergewöhnlich. Der Sültebach entspringt im Ortsteil Dalum der Gemeinde Bippen und überwindet auf den ersten Kilometern bis zur Sültemühle ein Gefälle von rund 20 Metern. So ein Gefälle ist für Norddeutschland äußerst selten und bot ideale Bedingungen für den Betrieb mehrerer Wassermühlen. Die Kraft des Wassers machte den Sültehof über viele Generationen hinweg zu einem bedeutenden Zentrum des Mühlenhandwerks. In dieser Kette nahm die Ölmühle eine besondere Stellung ein. Hier wurden Leinsamen, Raps und Bucheckern verarbeitet. Ein oberschlächtiges Wasserrad trieb die gesamte Anlage an. Die Samen wurden zunächst in einem Kollergang zerkleinert und anschließend im Stampfwerk sowie in der Ölpresse weiterverarbeitet. Auf diese Weise entstanden hochwertige Pflanzenöle, die für das tägliche Leben von großer Bedeutung waren. Besonders wertvoll war die Verarbeitung von Bucheckern. In den umliegenden Wäldern sammelten die Menschen diese Früchte, um daraus Öl und Fette zu gewinnen. Pflanzliche Fette waren in früheren Jahrhunderten begehrte Luxusgüter. Sie wurden nicht nur als Speiseöl verwendet, sondern auch zur Herstellung von Lampenöl, Seifen, Farben sowie Salben und anderen Heilmitteln. Damit besaß die Ölmühle weit mehr als eine wirtschaftliche Funktion. In einer Zeit, in der Apotheken meist nur in größeren Städten zu finden waren und die medizinische Versorgung auf dem Land begrenzt blieb, gehörten pflanzliche Öle zu den wichtigsten Naturprodukten des Alltags. Sie wurden zur Wundpflege, für Einreibungen und Salben sowie in zahlreichen Hausmitteln genutzt. Die Mühle leistete damit einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung und war zugleich ein bedeutender Teil der regionalen Gesundheits- und Alltagskultur. Nach ihrer Stilllegung im Jahr 1948 verfiel die historische Anlage zunächst. Erst durch das Engagement zahlreicher Heimatfreunde und des Kreisheimatbundes Bersenbrücker Land begann ab 1978 eine umfassende Restaurierung. Weitere Sanierungen in den Jahren 2000 und 2003 sorgten dafür, dass die historische Technik erhalten und teilweise wieder funktionsfähig gemacht werden konnte. Heute erinnert die Sültemühle als technisches Kulturdenkmal an die jahrhundertealte Mühlentradition der Gemeinde Bippen und an die Bedeutung der Wasserkraft für die Entwicklung der Region. Doch das Denkmal steht erneut vor Herausforderungen. Das historische Wasserrad ist sanierungsbedürftig und auch der Mühlbach sowie die wasserbaulichen Anlagen müssen überarbeitet werden. Eine erneute Restaurierung wäre ein wichtiger Beitrag zur Bewahrung dieses einzigartigen Zeugnisses regionaler Wirtschafts-, Technik- und Kulturgeschichte. Die Sültemühle ist damit weit mehr als ein altes Bauwerk. Sie erzählt von Natur und Technik, von harter Arbeit und handwerklichem Können sowie vom engen Zusammenspiel zwischen Landschaft und menschlichem Erfindungsgeist. Als Wahrzeichen der Gemeinde Bippen erinnert sie bis heute daran, welche Bedeutung Wasser, Mühlen und die Gewinnung kostbarer Pflanzenöle für das Leben der Menschen über viele Jahrhunderte hatten.

Curt Freye



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1 Umsatzsteuerbefreit gemäß § 19 UStG (Kleinunternehmerregelung)